Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten
Viele Selbstständige stehen vor der Frage, ob sie freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder besser privat vorsorgen sollen. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen, steigender Lebenserwartung und steuerlichen Sonderregelungen ist diese Entscheidung von großer Tragweite.
Gesetzliche Rente als Umlageverfahren mit Grenzen
Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageverfahren. Die laufenden Beiträge der Erwerbstätigen werden direkt an die Rentner ausgezahlt. Anders als bei kapitalgedeckten Systemen gibt es keine individuelle Kapitalansammlung, sondern nur Anwartschaften.
Das bringt zwei Probleme mit sich, nämlich demografischen Druck (immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner) und eine Abhängigkeit vom politischen Willen.
Für Selbstständige nur selten attraktiv
Für Selbstständige ohne Pflichtversicherung lohnt sich der Einstieg in die gesetzliche Rente in der Regel fast nie.
Eine Ausnahme besteht, wenn bereits mindestens 20 Jahre an Beitragszeiten vorliegen. Dann können gezielte Sonderzahlungen genutzt werden, um Ansprüche zu vervollständigen und die Mindestversicherungszeit von 35 Jahren für abschlagsfreie Altersrente zu erreichen.
Ohne diese Anwartschaften besteht die Gefahr, dass hohe Beiträge geleistet werden, die jedoch nur eine geringe Rente sichern und keinerlei vererbbares Kapital bilden.
Steuerliche Aspekte der Sonderzahlungen
Freiwillige Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar (§10 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Damit lassen sich kurzfristig Steuern sparen, allerdings steht dem keine Kapitalbildung im eigentlichen Sinne gegenüber.
Basisrente als Alternative
Die Basisrente (Rürup-Rente) ist für viele Selbstständige die deutlich bessere Option.
- Steuerlich: Beiträge sind bis zu einem Höchstbetrag (2025: 27.565 € für Ledige, doppelt für Verheiratete) zu über 90 % abzugsfähig.
- Insolvenzsicher: Guthaben in der Basisrente ist vor Pfändung geschützt.
- Lebenslange Rente: Kapital kann nicht verfrüht aufgebraucht werden.
Nachteile sind die fehlende Flexibilität (kein Kapitalzugang vor Rentenbeginn) und die eingeschränkte Vererbbarkeit. Wer langfristig plant, fährt dennoch steuerlich und sicherheitstechnisch oft besser.
Kombination: Basisrente und private Vorsorge (Schicht 3)
Eine strategisch clevere Lösung für Selbstständige ist die Kombination aus Basisrente (Schicht 1) und privater Vorsorge (Schicht 3):
- Schicht 1 (Basisrente): Maximale Steuerersparnis und Insolvenzschutz.
- Schicht 3 (private Verträge, z. B. fondsgebundene Renten oder Depotlösungen): Kapitalflexibilität, vererbbares Vermögen und die Möglichkeit, auch größere Summen liquide zu halten.
Diese Aufteilung verbindet Steuervorteile mit unternehmerischer Freiheit und Sicherung der Familie.
Praxisbeispiel
Ein 45-jähriger Selbstständiger hat bereits 22 Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung geleistet.
- Szenario A: Er zahlt freiwillig 15.000 € Sonderzahlungen ein → Rentensteigerung ca. 70 € brutto pro Monat.
- Szenario B: Er investiert die gleiche Summe in eine Basisrente bei 3 % Rendite → zusätzliche lebenslange Monatsrente von ca. 100–120 € (je nach Anbieter).
Unterm Strich kann sich die gesetzliche Variante nur lohnen, wenn die 20-Jahre-Grenze erreicht ist und es um das Erreichen von Rentenansprüchen geht. Ansonsten sind steueroptimierte Basisrenten und flexible Schicht-3-Lösungen sinnvoller.
Für weitere Inhalte bequem im Podcast:
Und denken Sie daran
„Erst die Bildung über Vermögen ermöglicht die Bildung von Vermögen.“
Bis bald und beste Grüße
Kay B. Rogalla
Lieber hören als lesen?
Podcast „Deine Vermögensarchitektur Talk“
Die Themen aus dem Journal bespreche ich dort ausführlicher, mit Gästen und Beispielen aus meiner Beratung.
Neueste Folge Warum unsere Kinder mehr fürs Leben lernen müssen Bildung, Diversity und Zukunft mit Layla Bürk Alle Folgen ansehenÜberall verfügbar